Die ersten 1.555.200 Sekunden in Mexiko (oder auch 18 Tage)

Die dritte Woche in Mexiko ist angefangen und ich schreibe jetzt auch meinen ersten Blogeintrag. Ich habe das erste Mal Zeit in Ruhe über die vergangenen Tage nachzudenken.

Ich stelle mich aber erst einmal vor, damit die, die mich jetzt noch nicht kennen, mich ein bisschen kennenlernen. Ich heiße Theresia Bode und komme aus Münster. Ich war auf der Marienschule in Münster (ja, auf der Mädchenschule, nein, es gab nicht jeden Tag Zickenkrieg 😉 ) und ich bin 18 Jahre alt. Obwohl ich schon sehr lange wusste, dass ich ins Ausland gehen möchte, war die Bewerbung beim Bistum Münster doch eher spontan. Einzelheiten können in diesem Zeitungsartikel nachgelesen werden.

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/theresia_bode_geht_nach_mexiko/

Meine erste Woche war sehr voll, aber nicht überfordernd. Ich habe meine Pfarrei kennengelernt, sowie die vier Pfarrer die darin wohnen. Alle waren sehr herzlich und offen zu mir. Als mich meine Vorgängerin Elisa herumgeführt hat und mich den einzelnen Leuten vorgestellt hat, haben sich alle so gefreut mich kennenzulernen. Sie haben mich schon zum Essen eingeladen, obwohl sie mich gar nicht richtig kennen. Und obwohl wir so viele tausend Kilometer von zuhause entfernt sind, wollen uns die Leute so schnell wie möglich ein neues Zuhause schaffen. Das ist das was mich am meisten beeindruckt. Ich denke die Deutschen können sich da wohl eine Scheibe von abschneiden.

Unsere Vorgänger haben es darauf angelegt, dass wir in der ersten Woche viel zusammen machen, um uns über die neu erlebten Sachen austauschen zu können. Am Freitag Abend haben wir uns mit allen in Tezontepec (Pfarrei von Julius) getroffen und da übernachtet. Am nächsten Tag fand dort das Freundschaftsgruppentreffen statt. Die Freundschaftsgruppen bestehen aus Mexikanern, die sich für Deutschland interessieren und werden von den aktuellen Freiwilligen geleitet. Einmal im Monat trifft sich der Freiwillige mit der Freundschaftsgruppe in seiner Pfarrei und alle paar Monate gibt es ein Treffen mit allen Freundschaftsgruppen. Wir hatten das Glück ein Freundschaftsgruppentreffen mit den alten Freiwilligen mitzubekommen, deswegen wissen wir jetzt schon ein bisschen wie das abzulaufen hat. Bei dem Treffen wurden einerseits die alten Freiwilligen verabschiedet und andererseits die Neuen, also wir, begrüßt.

Am Sonntag habe ich mich dann in zwei Messen bei mir in Tepeji vorgestellt, damit die Leute mich da auch kennenlernen. Am Montag sind Julius, Jonas und ich mit unseren Vorgängern und meinem Padre zu einem Pfarrfest gefahren und haben danach eine Art Rodeo besucht.

Am Dienstag sind Elisa, Arantxa (Elisas Gastschwester) und ich zu Cruz Azul gefahren. Cruz Azul ist eine große Betonfabrik in Mexiko und es ist schon fast wie eine kleine Stadt. Es gibt eine eigene Kirche, eine eigene Schule, ein eigenes Fußballteam, natürlich eigene Kleidung sowie einen Supermarkt. Danach sind wir weiter nach Atotonilco gefahren, der Pfarrei von Jan, wo wir dann auch wieder übernachtet haben. Am nächsten Tag sind Jonas, Jan, Julius und ich in das Migrantenhaus, welches in der Nähe von Atotonilco liegt, gefahren. Das Migrantenhaus liegt an der Eisenbahnstrecke, die zu den USA führt. In das Haus kommen Leute, welche sich von der Reise in die USA ausruhen möchten. Sie bekommen dort was zu essen, neue Kleidung und werden ausserdem registriert. Alle Migrantenhäuser sind verbunden, das heißt, es ist möglich den Weg zu verfolgen oder auch zu sehen, um welche Person es sich handelt, die in das Haus gekommen ist. Ich glaube für mich persönlich wäre es nichts dort zu arbeiten, weil man viele Menschen kennenlernt und weiß: Es werden nicht alle schaffen in die USA zu kommen. Es ist eine Stärke nötig dort zu arbeiten, die ich, denke ich, nicht habe. Am Donnerstag sind wir nach Pachuca, der Landeshauptstadt von Hidalgo gefahren, wo wir dann am Donnerstag unser Visum besorgt haben. Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von den alten Freiwilligen. Ich möchte mich hier nochmal bei Elisa bedanken. Sie hat mir alles in Tepeji gezeigt und mir erklärt wie die Welt hier funktioniert (und wo man was am besten kaufen kann). Wir sind danach alleine mit dem Bus nach Mexiko-Stadt gefahren, um da in den Bus nach Oaxaca zu steigen. Am Samstag Morgen waren wir dann auch endlich in Oaxaca, der Stadt in der wir die nächsten vier Wochen verbringen sollen. Hier werden wir einen Monat lang zur Schule gehen, um unser Spanisch zu verbessern. Am Sonntag hat uns Carlos, der Leiter der Sprachschule, die Stadt gezeigt und am Montag war dann auch der erste Schultag. Dadurch dass ich schon 5 Jahre Spanisch in der Schule hatte, war ich mit Jonas in einer Gruppe, welcher drei Jahre in Ecuador gelebt hatte. Ich muss sagen, ich hab das ein bisschen unterschätzt. Ich dachte: Ach komm, du hattest schon ein bisschen Spanisch in der Schule, das wird schon. Aber es ist trotzdem anspruchsvoll. Wir müssen jeden Tag einen Aufsatz vorbereiten, der mindestens eine Seite lang ist. Im Unterricht besprechen wir den dann und lernen dabei noch etwas über das luzide Träumen, den Genozid in Ruanda, die Sagrada Familie und und und. Generell ist der Unterricht bei uns darauf angelegt, dass wir möglichst viel sprechen. Das heißt wir machen zwar auch Grammatikübungen aber wir unterhalten uns viel über Themen, die uns interessieren. So ist die erste Woche in der Sprachschule verflogen. Am Wochenende haben wir wieder mit Carlos einen Ausflug gemacht. Dieses Mal sind wir in die umliegenden Dörfer gefahren.Wir waren erst in einem Dorf, in welchen schwarzer Ton verarbeitet wird und sind danach in einen Ort gefahren, wo Figuren aus Holz geschnitzt und dann bemalt werden. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend.

Das waren meine ersten Tage hier in Mexiko. Wenn es Fragen oder Anregungen gibt, gerne Fragen!

Bis bald!

Theresia