Perspektivwechsel für Eltern

Manch einer der Leser mag sich fragen, warum ich diesen Blogbeitrag schreibe. Im März haben mein Mann Rupert, unser Sohn Felix und ich unsere Tochter Theresa in Tepetitlán besucht, wo Theresa zurzeit ihren Freiwilligendienst im Ausland absolviert. Theresa hat wohl gespürt, dass mich diese Reise nach Mexiko sehr bewegt hat und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal einen Beitrag für ihren Blog zu schreiben. Vielleicht ist es aber auch nur praktisch für sie, wenn sie nicht selber schreiben muss.

Ich kann gleich vorweg schicken: Es war kein üblicher Urlaub, den wir in Mexiko verbracht haben. Es war eine wundervolle Reise zu unserer Tochter, zu ihrer zweiten Familie, in ihr zweites Zuhause. Und das Wichtigste: Ich habe den Eindruck gewonnen, es geht ihr sehr gut in Mexiko und sie ist umgeben von freundlichen, liebevollen und an ihr interessierten Menschen. Deshalb konnte ich sie auch nach unserer gemeinsamen Reise mit einem guten Gefühl für weitere vier Monate in dem doch sehr fernen Land zurücklassen.

Während unserer Reise habe ich viele neue Einsichten gewonnen und mir ist klar geworden, dass sich nicht nur für unsere Freiwilligen in ihrem Auslandsjahr Perspektivwechsel ergeben. Auch meine Sichtweisen haben sich durch diese Reise deutlich verändert. Davon möchte ich erzählen.

Ich habe unsere Tochter entlassen, in der doch auch bangen Hoffnung, dass es ihr in Mexiko gut gehen und dass sie dort eine interssante Zeit haben wird. Typisch Mutter, die meint, ihr Kind noch beschützen und kurz bevor die Tochter ihr Zuhause verlässt, noch ihre Lebenserfahrung weiter geben zu müssen. Eine Mutter, die dann aber vor Ort feststellen muss, dass die ganze Familie von der bemerkenswert guten Sprach- und Landeskenntnis der Tochter profitiert.

Die Organisation von Bus- und Taxifahrten und die Klärung aller touristischen Fragen sind auf einmal kein Problem mehr. Ausflüge in Mexiko Stadt, Verpflegung in Straßenküchen, Mobilität per Uber, als wäre Theresa nicht erst ein- oder zweimal in der risiegen Metropole gewesen! Einen guten Trick haben wir als Familie gelernt, um nicht wie alle anderen Touristen behandelt zu werden: Wir schicken Theresa vor, die mit Freude auf Spanisch erzählt, dass sie keine US-Amerikanerin ist, dass sie aus Deutschland kommt und zurzeit in Mexiko lebt. Und schon entwickeln sich charmante Gespräche mit Verkäufern, Taxifahrern, Kellnerinnen und Kellnern.

Ich konnte feststellen, dass Theresa ein akzeptiertes und geschätztes Mitglied im Pfarrteam von Tepetitlán ist. Sie arbeitet dort im Pfarrbüro, hilft im Kindergarten, gibt Deutschkurse; aber vor allem, sie ist gegenwärtig und geht mit in alle Kirchorte, ins Gefängnis und auf Mission in die entlegensten Dörfer. Vielleicht ist sie so etwas wie eine Botschafterin der deutsch-mexikanischen Freundschaft.

Auch wir waren im Gefängnis – nicht weil wir etwas ausgefressen haben, sondern als ‚deutsche Abordnung‘ haben wir an einer Heiligen Stunde teilgenommen. Dies war eine beeindruckende Erfahrung. Ich hatte Tristesse und Rauhbeinigkeit erwartet, aber auf dem Gefängnishof Marktplatzatmosphäre, Fürsorglichkeit und Emotion erlebt. In der Heiligen Stunde wurde gebetet, es wurden Texte vorgelesen und wir haben deutsche Kirchenlieder vorgetragen, während Padre Teo in einem kleinen Nebenraum einigen Gefängnisinsassen die Beichte abgenommen hat. Theresa war dort schon bekannt und ziemlich mexikanisch: Singen, Vorbeten und Fürbitten formulieren, das hätte es bei uns zu Hause nicht gegeben.

An unserem ersten Tag in Tepetitlan hatten wir das Glück, an einemTreffen der Freundschaftsgruppe Münster/Tula teilnehmen zu dürfen. Es war ein Fest mit vielen netten Menschen, wunderbarem Essen und interkulturellen Arbeitskreisen.

Zu Besuch waren fast alle deutschen Freiwilligen und wir konnten direkt erleben, wie gut sich die Kinder in der neuen Umgebung zurechtfinden und wie selbstbewusst sie agieren. Einige der ‚Freunde‘ konnten wir schon wenige Tage später wieder treffen, nach einem wundervollen Badetag in Tolantongo, wo in einer Grotte ein angenehm warmer, himmelblauer Fluss entspringt, und wo natürliche Infinity Pools mit herrlicher Aussicht zum Entspannen einladen.

Nach diesem Tag wurden wir von Obdulia und Martin in Cardonal zum Abendessen und zur Übernachtung eingeladen. Unsere Sprachbarrieren konnten durch Theresas Übersetzungsbereitschaft und Erzählfreude überwunden werden, so dass wir einen wunderbaren Abend verlebten. Einen Abend aktiv zu gestalten und zu moderieren ist anstrengend und muss auch erst einmal gelernt sein und das haben unsere Freiwilligen jetzt drauf.

Es war ein schöner Zufall, dass wir gerade an Theresas Geburtstag in Tepetitlán waren. So konnten wir lernen, wie man dort so einen Tag gebührend feiert. Geweckt wurde Theresa an diesem Tag mit einer Mañanita, einem Morgengesang, begleitet von Gitarrenklängen – total romantisch. Direkt danach gibt es Glückwünsche, egal ob man gewaschen oder angezogen ist. Ein Kaffee weckt die Lebensgeister, es gibt Geschenke und noch mehr Gesang. Später dann, wenn alle in einem vorzeigbaren Zustand sind, gibt es Frühstück und der Feiertag nimmt seinen Lauf. Theresa zu Ehren gab es ein großes Barbecue mit ihrem neuen Lieblingsessen, Carne Arrachera.

Viele Gäste kommen, die Pfarrfamile, die Freundschaftsgruppe, Bekannte und Freunde aus Tepe, einige unserer Freiwilligen. Es gibt noch mehr Gesang, schöne Torten und wie es wohl mexikanische Tradition ist, wird der Kopf des Geburtstagskindes in eine der Torten gestubst – zur Freude aller Anwesenden.

Ich denke, ein schöner Tag für Resi; die Regie hatten diesmal aber nicht wir.

Aber nicht nur, dass ich jetzt unsere Tochter mit anderen Augen sehe, es haben sich auch noch ganz andere Perspektivwechsel für mich eingestellt. Zum Beispiel die Frage ‚Was tust du für deine Gemeinde?‘ während der Kennlernrunde bei dem Freundschaftsgruppentreffen, hat mir klar gemacht, dass ich mein relativ passives konsumierendes Verhalten als Gemeindemitglied vielleicht überdenken sollte. Die mexikanischen ‚Freunde‘ haben ganz selbstverständlich auf diese Frage reagiert und von unterschiedlichsten Aktivitäten erzählt. Ich habe den Eindruck, mexikanische Gemeindemitgleider sind viel aktiver als die in Deutschland. So sorgt im normalen Sonntagsgottesdienst kein hauptamtlicher Organist für die Musik, sondern die Gemeinde stellt einen Chor- und die Gitarrenmusik; auch Fürbitten werden spontan von Messbesuchern vorgetragen.

Auch mein Blick auf die Bedeutung von Haus und Garten hat sich geändert: nicht ein großes, schönes Haus und ein gepflegter Garten sind wichtig, sondern ein Heim mit einem großen Esstisch direkt in oder an der Küche ist bedeutend, an dem alle Familienmitglieder und Gäste Platz finden und gemeinsam die landestypischen kulinarischen Köstlichkeiten verspeisen und sich dabei viel erzählen können.

Geändert hat sich auch meine Einstellung zum allgegenwärtigen Verkauf von Souvenirs, Kunsthandwerk und Street Food. Als Tourist empfinde ich diese ständige Aufforderung zum Kauf als eher lästig; aber mir ist unterwegs klar geworden, dass der Handel in den strukturarmen Gegenden des großen Landes eine Chance für die Menschen ist, sich den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen.

Unterwegs musste ich auch lernen, die Polizei ist nicht immer dein Freund und Helfer. Einige Polizisten nutzen ihre Stellung, um zusätzliche Einnahmequellen zu generieren.

Ein Reisetag hat mich besonders beeindruckt: An einem Vormittag vor der Sonntagsmesse haben wir ein kleines Dorf in der Nähe von Tepetitlán besucht, welches bekannt ist für die Herstellung und den Verkauf von irdenem, indigenem Haushaltsgeschirr. Die Fahrt dorthin führte uns durch eine Hügellandschaft, vorbei an reichlich Kakteen und Agaven.

Angekommen, stehen wir auf leeren, staubigen Straßen. Der Himmel ist blau, die Sonne brennt, der Wind fegt durch die Straßen und wirbelt Müll auf, herrenlose Hunde ziehen durch den Ort und wir haben Durst – wenn das nicht die perfekte Western-Filmkulisse ist.

Am Nachmittag wird dieser Eindruck verstärkt: Wir besuchen ein Rodeo, sehen selbstbewusste, filmreife Bullenreiter und jede Menge schick gemachte Cowboys mit wunderschönen Stiefeln und beieindruckenden Hüten. Eine Blaskapelle heizt den Besuchern ein, Steaks, Nachos und Bier werden verkauft und wir warten darauf, dass endlich waghalsige junge Männer den wilden Stieren zeigen, wer das Sagen hat.

Dann ist es soweit! Sobald der erste junge Mann vom Rücken des Stieres geschleudert wird und sich hastig aus dem Rund rettet, habe ich ein schlechtes Gewissen: Ich stehe als Voyeur am Rand und sehe zu, wie ein junger Mann sein Leben risikiert. Aber es war ungemein spannend. Ja, dies ist schon ein eigentümliches Brauchtum, aber ist Schützen- und Oktoberfest so viel besser?

Die Woche in Tepetitlán war eigentlich die lehrreichste, obwohl wir erst im Anschluss eine Bildungsreise unternommen haben. Diese Rundreise war wunderschön, führte uns zu zahlreichen beindruckenden Pyramidenanlagen, wundervollen Städten mit kolonialem oder indigenem Charme, durch beindruckende Landschaften und Naturräume, wir hatten interessante Begegnungen mit der Bevölkerung, konnten viel über ihre Lebensweise lernen, kamen an karibische Strände, die ein Touristenherz höher schlagen lassen, und wo freundliche Bedienungen alle Wünsche erfüllen.

Aber die Woche in Tepe hat mich darauf vorbereitet, das Land auch mit anderen Augen zu sehen, vielleicht aus der Perspektive derjenigen Mexikaner, die wir kennenlernen durften und die ungemein stolz sind auf ihr schönes Land.

Zum Schluss noch eine Erkenntnis: Es ist schon ziemlich toll, dass wir in unserer Heimat so bedenkenlos auch bei Dunkelheit unterwegs sein können, dass unsere Jugend berufliche Perspektiven hat und nicht vom Benzinraub leben muss, dass wir so selbstverständlich Trinkwasser aus unseren Leitungen zapfen können, dass Müll entsorgt wird, ohne dass der Wind ihn wieder in die Umgebung verwirbelt, dass man auch ohne Extrageld zu bezahlen, seine Bürgerrechte wahrnehmen kann.

Aber so viel Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Interesse an uns Besuchern habe ich bisher in keinem Land erfahren. Trotzdem bin ich mir sicher, dass es auch in Mexiko nicht selbstverständlich ist, dass Fremde so herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Theresa hat es in Tepetitlán wunderbar getroffen, sie ist dort angekommen und genießt das Leben. Danke an alle, die das ermöglichen: Padre Teo, Doña Peli (Mutter für ein Jahr), Don Beni, Tía Lore, Juan Carlos, Cesar, Jonathan, ….!

Halbzeit

Oh mein Gott wie konnte das denn so schnell passieren? Sechs von zwölf Monaten Mexiko sind vorbei und am liebsten würde ich laut STOP schreien und die Zeit anhalten. 

Ich muss zugeben, dass ich meinen Blog in den letzten Monaten etwas schleifen lassen habe, aber es ist einfach so viel spannendes passiert, von dem ich ja jetzt gesammelt berichten kann.

Gehen wir mal viele Wochen zurück in den Dezember. Genauer gesagt zu dem 11.12.: Wie bei den Katholiken üblich, hat jede Kirche einen Patronen, der an seinem Patronatsfesttag riesig gefeiert wird. Hier in Mexiko, wo die Statuen und Bilder dieser Patrone eine viel grössere Bedeutung haben, als ich es aus Deutschland kenne, versammelt sich zu diesen Patronatsfesten das ganze Dorf und auch umliegende Dörfer pilgern zu den Messen und der grossen Kirmis auf der neben reichlich Essen, Rodeo und Tanz nicht fehlen darf.

Neben dem Patron der eigenen Kirche feiert ganz Mexiko auch Maria de Guadalupe. Diese soll vor einigen Jahrhunderten auf einem Berg in der Nähe von Mexiko-Stadt aufgetaucht sein. Ich empfehle euch, im Internet mal nach der ganzen Geschichte zu suchen, denn sie hier niederzuschreiben würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen…

Auf jeden Fall pilgern in der Woche um den 12.12. (an dem Tag ist das eigentliche Patronatsfest der Maria de Guadalupe) Millionen Menschen zu der Basilika, die an dem Ort steht, wo Maria aufgetaucht sein soll. In der Nacht vorher (am 11.12.) findet jählich eine Präsentation verschiedenster Künstler statt, die vor dem heiligen Maria-Bild singen und tanzen.

Der Chor meines Mitfreiwilligen Tim, hat schon einmal im Jahr 2017 an dieser Veranstaltung teilgenommen und uns für das Jahr 2018 eingeladen, sie zu begleiten. Also sind Tim und ich zusammen mit 12 weiteren talentierten Musikern nach Mexiko gefahren. Anfangs wussten wir noch gar nicht, wie viele Menschen an diesen Tagen nach Mexiko pilgern, geschweige denn war uns bewusst, dass wir wirklich vor allen singen sollten.

Als uns dann schliesslich klipp und klar erklärt wurde, dass wir tatsächlich das heiligste Mariabild Mexikos ansingen sollte, während hinter uns tausende Pilger durch die Basilika gequetscht werden, ist zumindest mein Adrenalinpegel ziemlich hoch geschossen. Dazu kann man noch erwähnen, dass ich das zu singende Lied nur einmal kurz auf der Fahrt gehöhrt hatte und es das erste mal gesungen habe als mir tausende dabei zuschauten.

Zusammengefasst: Eine unfassbar krasse Erfahrung und eine riesen grosse Ehre!

Uns kann man ca. ab 1:35:00 sehen…

Auf diese grossartige Erfahrung folgte ein nicht so ganz angenehmes Wochenende. Da vorallem in meiner Gegend viele Jugendliche kriminelle Wege einschlagen, werden in regelmässigen Abständen sogenannte Retiros de Jóvenes veranstaltet. Diese werden vom Jugendpastoral meiner Gemeinde organisiert und finden in der Anlage, in der ich wohne, statt. 

Das ganze steht meiner Ansicht nach sicherlich unter einem guten Ziel (und zwar zum Beispiel Jugendliche davon abzuhalten sich in Bandenkriegen zu beteiligen), hat mir aber trotzdem nicht gefallen. Es gab komische Regeln und Einheiten, die uns zum Teil verstört haben. Zum Beispiel wurden kleine Familien gegründet in denen man die ganze Zeit eine unauthentische Zuneignung spüren sollte. Zudem durfte man nicht alleine zu den Toilettenräumen und der Kontakt zu Nichtteilnehmern des Retiros wurde komplett verhindert. Viel genauer will ich auf dieser Plattform nicht auf Einzelheiten eingehen, aber zusammenfassend kann ich sagen, dass mir es sehr schwer viel mich auf die Methoden und Themen der Erzieher einzulassen. In Endeffekt bin ich glücklich so kritisch erzogen worden zu sein und mich von den Ansichten, die uns in dem Retiro vermittelt wurden, nicht beeinflussen lassen zu habe. 

Ich habe bei dem ganzen als Teilnehmerin teilgenommen und habe ganau das gleiche durchgemacht, was alle Jugendlichen durchmachen mussten. Es war untersagt, das Retiro frühzeitig zu verlassen aber das hätte ich auch gar nicht gewollt. Klar ich habe mich die ganze Zeit alles andere als wohl gefühlt und habe das ganze alles andere als gut gehiessen, aber es war eine unfassbar wichtige Erfahrung und ich wollte das umbedingt zuende bringen. Nach dem ganzen Retiro habe ich den Teamern erklärt, wie kritisch ich deren Umgang mit Jugendlichen sehe, musste aber auch eingestehen, dass ich es nicht besser weiss, wie man Jugendliche hier davor bewahrt, sich umbringen zu lassen (ich hoffe in einem weiteren Blogeintrag noch genauer auf die Probleme der Jugendlichen hier vor Ort eingehen zu können…). Besser ein bisschen verstört als tot oder?

Oh Mann, das war schon wirklich ein komischen Wochenende, aber zum Glück ging es danach wieder steil aufwärts. Über Weihnachten war ich zum Beispiel mit ein paar anderen Jugendlichen und einer Nonne in Palo Alto auf Missionen. Palo Alto ist ein Dorf, das gar nicht so weit weg von Tepetitlán ist, aber einen ganz anderen Lebensstandart hat. Die wenigen Leute, die dort wohnen, hausen in sehr einfachen Hütten und ernähren sich von ihrer eigenen Landwirtschaft. Wir sind von Haus zu Haus gelaufen, haben mit den Bewohnern gequatscht und ihnen Kleider und Haushaltsspenden mitgebracht. Auch die mexikanische vorweihnachtliche Tradition, genannt Posada, haben wir mit ihnen gefeiert. Besonders beeindruckt hat mich, wie glücklich und zufrieden die Bewohner Palo Altos waren, obwohl sie teilweise in grosser Armut wohnen.

Über Silvester haben Morre, Tim, Elisa, Caro und ich uns dann einen Trip nach Puebla gegönnt. Dort haben wir die schöne Kolonialstadt erkundet und noch viel wichtiger unsere Freundin Ruth, die wir in der Sprachschule in Oaxaca kennengelernt haben, besucht.

Der Januar ging ganauso aufregend weiter wie der Dezember aufgehört hat. Denn nachdem wir das traditionelle Fest der heiligen drei Könige kennenlernen durften, bekamen wir Besuch von insgesamt rund 80 jungen Menschen aus dem Bistum Münster. Diese waren zu den Tagen der Begegnung, die wie immer vor dem Weltjugendtag stattfinden, in Münsters Partnerbistum Tula: Also hier bei uns. Auf uns Freiwillige wurden die meisten dieser jungen Erwachsenen aufgeteilt und wir haben zusammen mit unseren Gemeinden ein Programm für unsere Besucher organisiert. Dadurch, dass wir die gesamte Woche Übersetzer spielen durften, war das ganze zwar echt anstrengend, aber trotzdem eine total schöne Woche. Wir waren zum Beispiel schwimmen, haben eine Bootstour gemacht und die Pyramiden von Tula besichtigt. Zudem wollten wir unseren Besuchern einen Einblick in die Realität Mexikos gewähren und haben mit ihnen Krankenhäuser, das Gefängnis und das Migrantenhaus besucht. Ein total bunt gemischtes Programm, das sowohl bei unseren Gästen, als auch bei uns Tepetitlanern gut angekommen ist.

Immer wenn wir uns morgens getroffen haben und die Jugendlichen begeistert von ihren Erfahrungen berichtet haben, habe ich mich wie in meine ersten Tage hier in Mexiko zurückgesetzt gefühlt, als alles noch viel aufregender und viel neuer war.

 

Danach ging es für die 80 weiter nach Panama zum Weltjugendtag und wir… wir sind auch mitgekommen! Zwar haben wir alles unabhängig von der Gruppe aus Münster geplant und organisiert, trotzdem sind wir uns das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen und haben die ein oder andere Veranstaltung zusammen besucht. In Panama haben wir uns auch mit unseren Mitfreiwilligen Lea und Lars, die ihren Freiwilligendienst in der Dominikanischen Republik machen, getroffen. Da wir uns ja nun ein halbes Jahr nicht gesehen hatten, gab es viel zu erzählen und zusammen haben wir ein paar wirklich schöne Tage in Panama verbracht.

Nach dem Abenteuer in Panama hörte das Rumreisen allerdings nicht auf, denn wie von Weltwärts vorgeschrieben muss jeder Freiwillige innerhalb seines Auslandsjahres an einem Zwischenseminar teilnehmen. Das ganze fand dieses Jahr Anfang Februar in Veracruz statt, wo unsere Mentorin Vanessa wohnt. An dem Seminar haben insgesamt 20 Freiwillige aus ganz Deutschland und Österreich teilgenommen und mit uns ihre letzten sechs Monate reflektiert. Insegesamt war das Seminar zwar total anstrengend und intensiv aber auch total hilfreich und spassig!

Doch jetzt bin ich endlich wieder in Tepetitlán und kann meinen Arbeiten nachgehen. In zwei Wochen bekomme ich schon Besuch von meiner Familie, worauf ich mich schon riesig freue! Ich kann es kaum erwarten ihnen alles zu zeigen und sie hoffentlich mit meiner Begeisterung für Mexiko und vor allem für Tepetitlán anzustecken!

¡Hasta luego!

Tere 

Mexiko – Orizabita – Tepatepec

Viel los hier

Schon wieder ein Monat rum… Und dieser Monat war keinesfalls weniger abwechslungsreich als der letzte. Von einem stimmungskillenden Sicherheitsseminar bis hin zu emotionalen Totenritualen war alles dabei.

Kurz nach meinem letzten Blogeintrag ging es für vier von uns Tula-Freiwilligen das erste Mal nach Mexiko-Stadt. Als wir am 2.August mit dem Flugzeug über diese Metropole geflogen sind, haben wir schon einen ersten Eindruck von der unfassbaren Weite Mexiko-Stadts bekommen. So war es umso überraschender für mich wie schnell wir doch im Zentrum angekommen sind. Nach einer 1,5 stündigen Busfahrt von Tula aus sind wir an der riesigen Busstation Central del Norte angekommen. Nach weiteren 30 Minuten U-Bahn-Abenteuer waren wir auch schon im absolutem Zentrum Mexikos. Zum Glück wurden wir an der Central del Norte von einem Freund aus Oaxaca und einem Bekannten aus Atotonilco, beides Studenten in Mexiko-Stadt, abgeholt und ein wenig im Zentrum herumgeführt. Leider hatten wir nur einen Nachmittag um einen kleinen Eindruck von Mexiko zu bekommen, doch das hat gereicht um meine Neugierde und somit meine Motivation dieser Stadt bald wieder einen Besuch abzustatten, zu wecken. Nach einer Nacht in einem wirklich supergelegenem aber trotzdem günstigen Hotel (danke Vanessa) haben wir uns am nächsten Tag auf den Weg in die Deutsche Botschaft gemacht. Dort haben wir uns einen Vortrag darüber angehört, was wir eigentlich schon wussten: Mexiko ist nicht ohne. Trotzdem war es definitiv nicht überflüssig noch einmal für die Gefahren der Kriminalität und Naturkatastrophen sensibilisiert zu werden. Außerdem hatten wir die Gelegenheit andere deutsche Freiwillige kennenzulernen, die zum größten Teil in Mexiko-Stadt und Puebla wohnen.

Leider wars das dann auch schon mit unserem Besuch im Districto Federal, denn nach diesem Sicherheitsseminar ging es schon zurück in mittlerweile gewohntere Umgebung: zurück nach Tula.

Doch bei dem Ausflug in die Millionenmetropole Mexiko sollte es nicht bleiben: Zwei Wochen später wurden wir von Yazmin, einer Freiwilligen, die das letzte Jahr in Deutschlad verbracht hat, nach Orizabita eingeladen. Ihr Onkel arbeitet in einem Abenteuer-Extrem-Park, der mit uns gerne ein Werbevideo drehen wollte: „Zwischen Freiwilligendienst und Laufsteg“, wie Elisa es betitelt hat, flogen wir also mit einer Seilbahn über beeindruckende Schluchten und versuchten uns am Mountainbiking. Letzteres hat auf nicht so gut geklappt (wir sahen wohl nicht gut genug aus), sodass dies frühzeitig abgebrochen wurde.

Weiter ging es in der darauffolgenden Woche mit meiner ersten Deutschstunde, mit deren riesigen Andrang zuerst überfordert war. Die ganzen fünf Schüler haben alle Kapazitäten gesprengt und mich davon überzeugt, dass man das ganze vielleicht doch in der Messe ankündigen sollte. Gesagt, getan, sind zur nächsten Stunde solide 12 Schüler erschienen, mit denen ich definitiv etwas anfangen kann. Ich habe gemerkt: Deutsch ist echt schwer, vor allem die Aussprache, aber nicht unmöglich. Und bisher haben meine Schüler zum Glück noch nicht ihre Motivation verloren.

Ab Mitte Oktober gingen dann die ersten Vorbereitungen für den Día de los muertos los. Diese mexikanische Tradition, die mich schwer beeindruckt hat, hat laut meinem Reiseführer (NATGEO) ihre Wurzeln im präkolumbianischen Mexiko. Diese bunten und emotionsgeladenen Tage Anfang Novembers sind ein von UNESCO ausgezeichnetes Weltkulturerbe und gelten als bedroht von der immer populäreren amerikanischen Halloween-Kultur. Dieser Bedrohung sind sich die Mexikaner mehr als bewusst und kleistern schon Wochen vorher alle sozialen Netzwerke mit Aufrufen, die Halloween-Kultur nicht zu unterstützen, zu. So abgeneigt die Haltung gegenüber Halloween auf der einen Seite ist, so emotional und bunt gestaltet sich die Vorfreude auf den Día de los muertos. Auf den Straßen werden die traditionellen Tagetes Blüten und bunte Papiergirlanden verkauft. Auch das süße Pan de muertos (Brot der Toten) und das Gesicht der Catrina trifft man überall an.

Die Festtage durfte ich mit der Familie meines Pfarrers in Tepatepec erleben. Dort wurden in den Häusern Altare aufgestellt, zu denen eine Straße aus den bereits erwähnten Tagetes Blüten führt. Der Altar wird mit reichlich Obst, Pan de muertos und Tequila oder Bier geschmückt, je nach Vorlieben des Toten. Zwischen dem ganzen Essen dürfen Kerzen, Blumen und natürlich die Fotos der Toten nicht fehlen.

In der Familie, mit der ich feiern durfte, ist es Tradition, nach einem gemeinsamen Essen und dem ein oder anderen Tequila den Disneyfilm Coco anzugucken. Dieser verbildlicht meiner Meinung nach sehr gut die Vorstellung des Todes, die in der mexikanischen Kultur herrscht. Denn nach dieser Vorstellung kommen die Verstorbenen einmal im Jahr, am Día de los muertos, zurück zu den Lebenden. Nach dem Film gab es eine Reflektion, darüber was uns Disney in den letzten zwei Stunde gezeigt hat. Alle waren sich einig, dass Familie und der Familienzusammenhalt das wichtigste ist und man trotz Streitigkeiten füreinander da sein sollte. Ein Familienbild, das mich gerade jetzt mit einer riesigen Distanz zu meiner Familie, sehr berührt hat…

Nach einem Rosenkranz und leckeren Tamales (ein Maisgericht) ging es relativ früh schlafen, um für den folgenden Tag, den Día de los muertos, ausgeruht zu sein. Wie auch in Deutschland sind wir zum mehr als gutbesuchtem Friedhof gegangen um Blumen niederzulegen und geweihtes Wasser zu verteilen. Der ganze Friedhof war bunt und überall konnte man Mariachis hören, die Lieblingslieder der Verstorbenen gespielt haben. Vor dem Friedhof wurde fröhlich gegessen und getrunken und in der anschließenden Messe wurden die Namen einiger Toten vorgelesen. Danach ist die Familie wieder zusammengekommen um, oh Wunder, ordentlich zu trinken und zu essen.

Das war er also, der Día de los muertos. Eine emotionsgeladene Tradition, die mir mehr als gut gefallen hat und mich mit ihrer Vorstellung vom Tot und der Bedeutung der Familie schwer beeindruckt hat. Ich hoffe, dass ich nach meinem Freiwilligendienst hier in Mexiko auch einen Teil dieser Vorstellung mit nach Deutschland tragen kann.

Ich kann es kaum erwarten noch weitere Traditionen dieser unfassbar interessanten Kultur kennenzulernen und euch davon zu berichten.

¡Hasta luego!

Tere

Jetzt kanns losgehen

Zurück in Tepetitlán

Ich: Hey Caro, ich glaube wir besuchen dich Montag.

Caro: Hallo, ja ich glaube mein Gastvater hat etwas Ähnliches gesagt.

Ich: Oder wir fahren ins Gefängnis… Bin nicht sicher ob ich es richtig verstanden habe…

Am Montag

Ich: OK, ich hab´s wohl falsch verstanden… Wir fahren nach Tula ins Zentrum 😊

 

So oder so ähnlich sehen viele Chatverläufe mit meinen Mitfreiwilligen aus. Diese Sprachbarriere, die täglich kleiner wird, hat verschiedenste Missverständnisse zur Folge, die aber zum Glück nicht weiter schlimm sind.

Somit fühle ich mich hier in Tepe rundum wohl. Natürlich hat es seine Vorteile in einer großen Stadt wie Tula zu wohnen, statt in einem kleinen Ort wie Tepetitlán. Genauso hat es auch seine Vorteile bei einer Gastfamilie zu leben und nicht mitten im Gemeindehaus und es hat auch Vorteile, wenn im vorherigen Jahr schon ein Freiwilliger oder eine Freiwillige im eigenem Einsatzort war.

Doch für mich ist es hier genau richtig: Tepetitlán ist klein genug, dass ich schnell die meisten Bewohner kennenlernen kann und groß genug, dass mir nicht die Decke auf den Kopf fällt. Hier im Gemeindehaus habe ich das Glück quasi in einer Familie, der des Padres, zu leben und trotzdem so nah wie überhaupt möglich am Gemeindeleben zu sein. Und da es schon sieben Jahre her ist, dass eine Freiwillige hier in Tepe war, sind die Grundstrukturen dieses Freiwilligendienstes zwar noch bekannt, ich werde allerdings nicht mit einem Vorgänger oder einer Vorgängerin verglichen.

In den ersten Tagen, nachdem ich hier aus Oaxaca angekommen bin, habe ich Padre Teo in zig Messen begleitet, um mich vorzustellen. Auch an diversen Versammlungen und Besprechungen habe ich teilgenommen.

Und so langsam aber sicher finde auch ich meinen Platz hier und suche mir meine Aufgaben. Beispielsweise kann ich unter der Woche immer mit meiner Kollegin Ceci im Büro der Gemeinde arbeiten, welches eine Art Media Hotspot der Diözese bildet. Hier bedrucken und brennen wir CDs, erstellen Plakate und bearbeiten Materialien für den Katechesenunterricht.

Da ein Teil Tepetitláns (La Loma de Tepetitlán) direkt an der Eisenbahnlinie liegt, die sich durch ganz Süd- und Mittelamerika bis in die Vereinigten Statten zieht, bilden Migranten einen weiteren Teil meiner Arbeit. Besonders junge Männer aus Honduras und Guatemala nutzen diesen Güterzug um in die USA zu gelangen. Bei dieser gefährlichen Reise sind die Migranten oft wochenlang Wind und Wetter, Hunger und Durst und weiteren Gefahren ausgesetzt. Nicht selten kommt es vor, dass sie entführt werden oder beim Auf- und Abspringen des Zuges ein Bein oder mehr verlieren.

Manchmal klopfen einige Migranten an unsere Tür um Hilfe zu erbitten. Hier in der Gemeinde können sie dann in einem der Säle für Katechenunterricht und Versammlungen schlafen und sich duschen. Zudem werden sie von uns mit Essen, Trinken und Medikamenten versorgt und können ihre Familien benachrichtigen.

Dieser Teil meiner Arbeit ist nicht immer leicht und angenehm auszuführen. Die erschreckenden Erzählungen der Migranten konfrontieren einen meist härter mit der Realität Mittelamerikas, als einem lieb ist. Und trotzdem arbeite ich gerne in diesem Bereich, in dem man direkte Hilfe leisten kann. Auch Padre Teo liegt diese Arbeit sehr am Herzen, so setzt er seine Pläne für ein Migrantenhaus zum Beispiel schon bald in die Tat um und sammelt fleißig Kleiderspenden, an denen sich dann unsere Gäste bedienen können.

Die Nachfrage nach Deutschunterricht ist größer als ich gedacht hätte, denn nach jeder Messe fragen mich sowohl Kinder als auch ältere wann sie denn endlich mit dem Deutschlernen beginnen können. Dementsprechend werde ich ein paar Kurse anbieten, von denen ich allerdings noch nicht weiß, wie ich sie beginnen soll.

Zu guter Letzt unterstütze ich als Angestellte der Gemeinde natürlich gelegentlich den Katechesenunterricht und Chöre und helfe dem Padre dabei Ergebnisse von Besprechungen digital festzuhalten. Somit nahm ich zum Beispiel die gesamte Asamblea (einwöchige Versammlung aller Beschäftigten der ganzen Diözese) als Audio auf. Die Aufnahmen wurden später auf eine CD gebrannt – mit meiner Stimme als Offvoice haha – und an die Gemeinden verteilt.

So viel zu meinen vielseitigen Aufgaben, die sich allerdings im Laufe dieses Jahres bestimmt noch ändern werden. Aber neben meiner Arbeit erlebe ich natürlich noch viele weitere spannende Dinge, von denen ich euch jetzt erzählen werde:

Seitdem ich hier bin werde ich von diversen Leuten eingeladen, bei ihnen zu essen und zu feiern. Die erste Einladung, die ich annehmen konnte war die von Juan Carlos und seiner Familie. Juan Carlos, der sich auch gerne Johannes Karl nennt, engagiert sich schon lange in der Freundschaftsgruppe und möchte nächstes Jahr als Freiwilliger nach Deutschland. Am 14. September waren wir somit bei einer „Noche mexicana“, bei der nach Tacos, Guacamole und viel Tequila, ordentlich das Tanzbein geschwungen wurde und mexikanische Kartenspiele ausgepackt wurden.

Einen Tag später, am 15. September, wurde hier und in ganz Mexiko die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert. Vormittags waren der Padre und ich noch in seiner Heimatstadt Tepatepec, wo ein anderer Padre sein 50-jährigen Dienst für die Kirche gefeiert hat. Danach ging es zu einer Familienfeier, auf der neben Posole (eine Suppe) Tequila und Karaoke natürlich nicht fehlen durfte. Ich hatte die Möglichkeit die vielen Verwanden des Padres kennenzulernen und zu erklären, dass Deutschland mehr als nur Hitler und Bier ist.  Abends ging es dann zurück nach Tepetitlán, wo wir die öffentliche Zeremonie des Unabhängigkeitstages beobachten konnten. Feierlich wurde die mexikanische Flagge erst der Polizei und dann dem Bürgermeister übereicht. Darauf folgten ein unglaubliches Feuerwerk und einige Bands, die die Leute zum Tanzen bewegten.

Die folgende Woche wurde komplett von der bereits erwähnten Asamblea ausgefüllt. Von Montag bis Freitag trafen sich diverse Padres, Schwestern und Katechetinnen um die aktuelle Situation Mexikos zu analysieren und auf die Aufgaben der Gemeinden zu übertragen. Das glaube ich zumindest waren wesentliche Inhalte, denn ich war viel mehr damit beschäftigt Fotos und Audioaufnahmen zu machen als zuzuhören. Auf der Asamblea waren natürlich auch meine Mitfreiwilligen, die ich seit fast zwei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Hört sich nach keiner besonders langen Zeit an, jedoch habe ich mich riesig gefreut, mal wieder Deutsch zu sprechen und den anderen von meinen Erfahrungen zu erzählen. Weniger schön an der Asamblea war der Haufen Arbeit, der Donnerstagabend auf Ceci, den Padre und mich zukam. Bis halb fünf in der Nacht saßen wir in unserem Büro, um die Tonaufnahmen zusammenzuschneiden und meine Ankündigungen aufzunehmen: „Cuadragésima Asamblea Diocesana de Pastoral, Diósesis de Tula presenta: Conferencia del Dr. Rodrigo Guerra“. Gar nicht so einfach das möglichst akzentfrei auszusprechen, besonders wenn es drei Uhr nachts ist und man noch immer mit dem gerollten r hapert. Aber schließlich haben wir es geschafft die CDs rechtzeitig fertigzubekommen, sodass sie am Freitag verteilt wurden konnten.

Meine Mitfreiwilligen konnte ich am Wochenende schon wiedersehen. Am Samstag, dem 22. September, war nämlich eine Versammlung aller Freundschaftsgruppen der Diözese in Chilcautla. Es hat mich besonders gefreut, dass meine Freundschaftsgruppe so gut vertreten war und nach einem gemeinsamen Frühstück und einer Messe verbrachten wir ein paar schöne Stunden in einem Erholungspark, der mal eine Müllhalde war. Wir Deutschen hatten die Gelegenheit uns und unsere Gemeinden vorzustellen und die mexikanischen Freiwilligen, die ihr vergangenes Jahr in Deutschland verbracht hatten, erzählten von ihren Erfahrungen. Abends war ich dann noch mit Juan Carlos und ein paar Bekannten auf einem großen Patronatsfest in Anaya, wo wir stundenlang getanzt haben.

Am nächsten Tag gab es hier in Tepetitlán eine große Prozession zu dem Ort, an dem das geplante Migrantenhaus errichtet werden soll. Dort wurde eine große Messe gefeiert, in der ich meinen ersten Chorauftritt hatte.

Ein paar sehr ereignisreiche Wochen liegen also hinter mir und dabei soll es nicht bleiben. Morgen zum Beispiel fahren wir Freiwillige, leider ohne Elisa, da sie Verpflichtungen in Tepeji hat, nach Mexiko City. Dort treffen wir eine der Freiwilligen aus dem Bistum Stuttgart wieder und werden uns einen Vortrag über Sicherheit in der Deutschen Botschaft anhören. Aber dazu kann ich dann sicher mehr in meinem nächsten Blogeintrag erzählen…

¡Hasta luego!

Tere (oder Anneli, wie mich Juan Carlos nennt, weil seine Exfreundin Tere heißt XD)

Oaxaca

Sprachschule und noch viel mehr

Vier Wochen Sprachschule in dem wunderschönen Oaxaca sind nun vorbei. Rückblickend haben wir so viel erlebt, dass ich am besten Fotos davon erzählen lasse. Und obwohl jeder Tag irgendwie einzigartig war, werde ich nun versuchen euch einen Einblick in unseren oaxacanischen Alltag zu ermöglichen:

Morgens um 7:40 Uhr, der erste Wecker klingelt. Da sich noch immer keiner an das frühe Aufstehen nach unserer Post-Abi-Pause gewöhnt hat, bleiben meine Mitbewohnerinnen Caro, Elli und ich liegen bis auch der zweite Wecker klingelt.

Um kurz nach acht empfängt uns unsere Gastmutter Yolanda vorzugsweise mit Quesadillas und Instantkaffee oder Tee. Nach einem kurzen Schwatz schnappen wir uns unsere Schulsache und hechten zu der 10 Minuten entfernten Sprachschule.

Hier haben wir zusammen mit Freiwilligen des Bistum Stuttgarts von 9 bis 14 Uhr Sprachunterricht. Insgesamt sind wir somit neun Schüler und Schülerinnen, die von drei Lehrerinnen unterrichtet werden. Wir Schüler werden nach unseren Sprachniveaus aufgeteilt und in Grammatik, Wortschatz und auch in der Geschichte Mexikos unterrichtet. Ganz nach dem Schulmotto „escuchar, entender, hablar“ (zuhören, verstehen, sprechen) müssen wir das Gelernte in selbsterstellten Präsentationen mit Themen von Weihnachten über K-Pop bis hin zu schwäbischem Karneval, praktisch anwenden. Alle 50 Minuten gibt es eine Pause, in der wir uns in gemütliche Flechtsessel fletzen und Kaffee und Tee trinken.

Wenn wir in der letzten Stunde der Sprachschule nicht gerade deutsches Essen genießen (wir haben einmal Apfelkuchen und einmal Frikadellen mit Kartoffelsalat gemacht) verlassen wir pünktlich um 14 Uhr die Sprachschule.

Zurück bei Yolanda gibt es nun Mittagsessen. Da irgendeiner wieder Magenprobleme hat und somit nicht aufisst, ruft sie besorgt: „Ay, no comiste!“

Nach einer ausgiebigen Siesta und reichlich Hausaufgaben raffen wir uns schließlich auf in das wunderschöne Zentrum von Oaxaca zu gehen. Dieses besichtigen wir zum Beispiel mit der deutschen Reiseführerin Kristina oder bummeln einfach in der riesigen Markthalle. Dort kann man von frittierten Heuschrecken über Piñatas bis hin zu mexikanischen Blusen alles kaufen.

Nach einer Torta (eine Art Sandwich) trinken wir auf einer der gemütlichen Dachterrassen Cocktails oder treffen uns mit unseren ersten mexikanischen Freunden. Diese haben Tim einmal gefragt, ob er in ihrem Musikvideo mitspielen möchte und anschließend haben wir uns näher kennengelernt. Einmal waren wir sogar bei ihnen, um sie in einer sagenhaften Runde Beerpong und ein paar Partien Flunkeyball zu besiegen.

Auf dem Nachhauseweg laufen wir einem riesigen Skorpion über den Weg und fallen anschließend erschöpft ins Bett. Am Wochenende wartet wieder ein spannender Ausflug auf uns, der von der Sprachschule aus organisiert wird. Ob zu dem versteinerte Wasserfall Hierve el Agua oder der beeindruckenden Ausgrabungsstätte Monte Alban, eine Reise nach Oaxaca oder in die Umgebung der Stadt lohnt sich auf jeden Fall:

 

Unser erster Ausflug ging nach Teotitlan.Sprotlich wie wir sind, sind wir dort auf den Berg Picacho gewandet. Im Anschluss wurden uns gezeigt, wie Teppiche gewebt und gefärbt werden. 

Nach so viel Anstrengung und neuem Wissen, haben wir unseren Ausflug in einer Mezcaleria beendet.

Unser nächstes Ziel war Hierve el Agua. Der versteinerte Wasserfall und die natürlichen Schwimmbecken mit der wahnsinns Aussicht haben uns alle besonders fasziniert.

Auf dem Rückweg sind wir dann noch zu einer Ausgrabungsstätte nach Mitla gefahren, um dort einen zapotekischen Tempel zu bewundern.

Unser letzter grosser Ausflug ging zusammen mit der deutschen Reiseführerin Kristina nach Monte Albán, der ehemaligen Hauptstadt der Zapoteken.

Ansonsten lässt sich zu Oaxaca nur noch sagen, dass ich mich wahrscheinlich immer wieder gerne an unsere Zeit dort erinnern werde. Außer an die Mücken, denn die waren echte Killer!

Hasta luego,

Tere