Meine ersten 9 Wochen Mexiko

Hola!

Für alle die mich nicht kennen: Ich heiße Jule, hier in Mexiko für die Meisten aber eher Juli, Huli, Julia, Julietta, Julita oder Jula. Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Ottmarsbocholt (auch Otti-Botti genannt), ja, das Dorf südlich von Münster, das für den Karneval bekannt ist.

Mittlerweile bin ich tatsächlich schon neun Wochen in Mexiko und fünf Wochen bei meiner Gastfamilie in Tula.

Bis jetzt ist auf jeden Fall schon ganz schön viel passiert, wir haben unfassbar viel gesehen, erlebt und natürlich gelernt.

Aber ich fange erstmal vorne an.

Nach ersten Komplikationen am Flughafen in Frankfurt sind wir tatsächlich alle acht am Ausgang des Flughafens von Mexiko Stadt angekommen. Dort wurden wir von Theresa und Jonas, unseren Vorfreiwilligen, sowie von Juan und Caesar in Empfang genommen. Vom Flughafen ging es zunächst völlig überfordert, aufgeregt aber auch müde in eine Hotel in Mexiko Stadt. Dort angekommen haben wir uns mehr oder weniger erfolgreich auf die Suche nach Essen begeben.

Am nächsten Tag bin ich also mit den Tepeji Menschen, Frieda und Nils, sowie mit Jonas nach Tepeji gefahren, wo wir sehr herzlich in Empfang genommen wurden. Abends ging es anschließend für Jonas und mich in die Kathedrale nach Tula. Nach einer kleinen Erkundungstour durch die Kathedrale und leckerem Essen habe ich meine erste Nacht in der Kathedrale verbracht. Und nein, es ist nicht so wie man sich das Ganze vorstellt, ich habe tatsächlich in einem Zimmer, in einem Bett geschlafen und nicht unter einer Kirchenbank.

In den nächsten Tagen sind wir viel herumgereist, wir haben die Morenos in Cardonal besucht, waren in heißen Quellen schwimmen, haben sehr viel gegessen und tatsächlich alle unser Visum bekommen und wundervolle Bilder dafür gemacht, das Migrantenhaus besucht, ich habe meine erste Mundkommunion bekommen und meine Gastfamilie in Tula kennengelernt.

Sprachschule in Cuernvaca

Abfahrt nach Cuernavaca
Die online Übertragung des deutschen Willkommensgottesdienstes

Nach der ersten aufregenden Woche ging es schließlich auf nach Cuernavaca, zur Sprachschule. In Cuernavaca habe ich gemeinsam mit Laura bei zwei sehr lieben Menschen gewohnt. Nach drei Wochen Spanisch Unterricht, Hausaufgaben, Ausflügen, Wanderungen, mexikanischem Essen und vielen Erlebnissen als Gruppe wurden wir schließlich zurück nach Tula gebracht.

Nach einer Nacht in der Casa de formación sind letztendlich alle in ihre Projektorte gefahren und waren das erste mal allein.

Die ersten richtigen Tage in Tula…

Da war ich also alleine in Tula. Ohne Plan, was die nächsten Tage tun soll, aber immerhin bei einer lieben Familie, die mich herzlich aufgenommen hat. Aus Deutschland war ich es gewohnt, dass ich immer wusste, was am nächsten Tag und meist auch was nächste Woche ansteht. Das war hier vor allem in den ersten Tagen anders. Deshalb habe ich viele Spaziergänge durch die Viertel von Tula gemacht, bin mit meiner Gastschwester Magda mitgegangen, war mit Lupita und Alberto, meinen Gasteltern, auf Geburtstagen und habe mich im Gottesdienst vorgestellt.

Casa de Christiandad…

Die Casa de Christiandad ist so etwas, wie die Caritas. An meinem ersten Tag dort habe ich mit Freiwilligen die Straßen in Tula angeschaut, die besonders stark von dem Hochwasser betroffen sind. Die Freiwilligen haben den betroffenen Menschen Tüten mit Essen und anderen brauchbaren Dingen gebracht und sie gefragt, was sie noch benötigen. Ich durfte mir die Häuser von innen ansehen und so wurde mir das Ausmaß der Flut noch einmal bewusst. Die Häuser sind zur Teil völlig zerstört und die Bewohner haben nahezu alles verloren. Oft konnte man nur einen Wasserrand an den Deckenlampen erahnen. Anschließend haben wir den Menschen die Kleidung, die Medikamente, das Essen, oder was auch immer die Menschen ansonsten noch brauchten gebracht.

Immer mehr Casa de Christiandad…

Da in der Casa de Christiandad momentan viel Hilfe benötigt wird arbeite ich dort nahezu täglich. Aufgaben sind unter Anderem die Betroffenen der Flut zu besuchen und diese zu fragen, was sie benötigen, aber auch das Sortieren von gespendeter Kleidung und Medikamenten, sowie das Packen von Tüten mit Nahrung, Hygieneartikeln und Reinigungsartikeln. Im Moment werden viele Matratzen benötigt, was teilweise dazu führt, dass 20 Leute auftauchen um Mengen an neuen Matratzen von einem Ort zu einem anderen zu bewegen. Auch wenn man meist das Gefühl hat, als würde man eine sinnvolle Arbeit tun, da sie den Betroffenen der Flut und anderen Menschen hilft, so ist es doch manchmal etwas langweilig acht Stunden lang Medikamente zu sortieren, doch auch das gehört dazu.

Allerdings ist die Arbeit in der Casa de Christiandad natürlich nicht das Einzige. Um die umliegenden Dörfer kennenzulernen fahre ich mit Padre Luis zu den Messen oder zur Krankensalbung. Außerdem begleite ich die Schwestern zur Krankenkommunion oder gehe mit Padre Ángel zu den Jugendgruppen.

Und ganz schön viel Rumgereise…

Der erste Wochenendtrip stand für das Wochenende des Tages der Toten an. Zu siebt ging es also mit dem Bus nach Mexiko Stadt wo wir von Uri, einem ehemaligen Freiwilligen empfangen wurden. Gemeinsam verbrachten wir zwei Nächte in seiner Wohnung, fuhren U-Bahn, bestaunten die Parade, aßen Churros, machten Fotos und feierten den Tag der Toten.

Am Montag ging es anschließend zu viert weiter nach Puebla, der Rest kehrte in die Projekte zurück. In Puebla angekommen wurden wir nach einer angemessenen mexikanischen Wartezeit von Efraín, ebenfalls einem ehemaligen Freiwilligen abgeholt und es ging in die Stadt. Dort angekommen bestaunten wir die Kirchen, es gibt tatsächlich 283 Pfarreien in Puebla (erstaunlicherweise haben wir es nicht geschafft alle Kirchen zu besichtigen), die Altäre für den Tag der Toten, die Mercados und aßen Quesadillas. Nach einem hervorragenden Frühstück fuhren wir nach Atlixco und besuchten am nächsten Tag Cholula, wobei wir uns dort die beeindruckende Pyramide natürlich nicht entgehen ließen. Am Nachmittag traten wir schließlich den Rückweg an und fanden uns drei Busstunden später in Tula wieder.

 

Nach zwei Tagen voller Arbeit in der Casa de Christiandad, Besuchen der von der Flut betroffenen Straßen und Verteilen der Krankenkommunion ging es für mich sowie für die fünf anderen südlichsten Freiwilligen nach Tezontepec, auf eine Fiesta. Verzweifelt versuchend sich nicht in das Gesicht voller Schminke zu fassen, hatten wir einen schönen Abend und waren am nächsten Morgen Frühstücken um anschließen wieder in die Heimatprojekte zu fahren.

Nach einer Nacht bei meiner Gastfamilie in Tula bin ich also erneut in Richtung Norden aufgebrochen. Nach drei Stunden Bus und Combi Fahren kam ich schließlich tatsächlich in Orizabita an. 

Und dann ging es wieder weiter…

Nach einer erlebnisreichen Woche, mit vielen Besuchen hier in Tula, einer Fahrt nach Mexiko Stadt und einem Abendessen mit den Padres fuhren Frieda, Simon und ich am nächsten Tag mit Marco nach Huejutla. Nach einer siebenstündigen Autofahrt mit einer atemberaubenden Aussicht kamen wir schließlich an. Am nächsten Tag frühstückten wir sehr entspannt und machten uns anschließend auf den Weg zu einem Fluss, nach einer Stunde Schwimmen kehrten wir zum Hotel zurück. Dort angekommen ruhten wir uns zunächst aus und gingen dann auf einen Geburtstag unter dem Motto „Festival“, auch wenn wir, wie man sich vorstellen kann, outfittechnisch nicht optimal vorbereitet waren.

Am nächsten Morgen ging es also nach einem hervorragenden Frühstück auf in Richtung Nord-Ost. Wer jetzt weiß wo Huejutla liegt, kann sich also vorstellen wo wir also nach einer fünfstündigen Autofahrt landeten. Genau: Am Golf von Mexiko. Wir konnten es kaum glauben, dass wir wenige Minuten nach unterer Ankunft an der Playa Miramar also tatsächlich im Meer schwimmen waren.

Am nächsten Morgen frühstückten wir am Strand und landeten nach kurzer Überlegung erneut im Wasser.

Jetzt freue ich mich auf die nächsten Wochen hier in Tula und bin gespannt, was noch alles passiert.

Denn auch ich kann einfach immer noch nicht glauben, dass ich wirklich in Mexiko bin.

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