In unserer Vorbereitung haben wir gelernt, dass bei uns allen ein Lebensumbruch ansteht. Dass dieser aber erst nach einem Monat kommt, war mir damals nicht klar.
Doch da war ich auf einmal in einem anderen Land, einem neuen Ort, mit einer Sprache, die ich bei weitem nicht perfekt beherrsche, mit neuem Essen, neuen Leuten, schlichtweg einer neuen Realität.
Und ab da trennen sich die Erfahrungen von uns allen. Während z. B. Simon (könnt ihr in seinem wirklich tollen Eintrag lesen) auf einmal mit zu viel Zeit für sich allein war, gab es bei uns das Gegenteil.
Nils und ich waren die ganze Zeit unterwegs und weg von unserem neuen Haus. Bei uns war nix mit ausruhen.
Wir haben viel gesehen, schonmal kennengelernt und gemacht. Das war auch echt super schön, allerdings fehlte mir etwas die Zeit um anzukommen und meine Gedanken zu sortieren. Verarbeiten geht schlecht, wenn man sich die Zeit dazu nicht nimmt.
Und weil mir das nicht schwierig genug war, habe ich mir als zusätzlichen Schwierigkeitsfaktor vor Mexiko gedacht: Ey Frieda, voll die gute Idee in ein Land zu reisen, dessen Sprache du nicht kannst!
Ganz so war es natürlich nicht, aber feststeht, vor der Sprachschule konnte ich nur einen Kaffee mit Milch bestellen.
Dass ich dann erstmal Verständigungsprobleme hatte und es so einiges an Frustrationspotenzial gibt, könnt Ihr Euch schon denken. (In 3 Wochen habe ich überraschend viel gelernt, weiß aber längst nicht alles.)
An dieser Stelle ist es eine zweiseitige Medaille meinen Mitfreiwilligen an meiner Seite zu haben, denn: Nils kann besser spanisch als ich.
Er kann mir also helfen, wenn ich etwas nicht verstanden habe und antworten, wenn mir die Worte fehlen.
Andererseits ist es sehr frustrierend, wenn ich mein Bestes gebe mich auszudrücken, mein Gegenüber mich nicht versteht, Nils fast das Gleiche sagt und verstanden wird.
Oder wenn die Leute immer nur ihm sagen, dass er ja schon echt gut spanisch spricht. (Macht er ja auch, fühlt sich aber manchmal trotzdem doof an.)
Für ihn wird die ganze Situation auch nicht perfekt sein.
Aber das Gute: wir sprechen ganz offen und gucken, was wir beide vielleicht machen können, um die Schwierigkeiten beider zu verbessern.
Einige Momente sind für mich immer noch schwierig, das wird auch erstmal so bleiben.
Aber jetzt hatte ich auch zwischendurch mal Pause, um mich auszuruhen. Ich verstehe mehr und spreche einfach, hilft ja alles nichts.
Was aber hilft, ist dass hier alle Leute sehr hilfsbereit, gastfreundlich und herzlich sind. Wenn ich mal Zwiebel oder Haare statt Pferd sage (cebolla, cabello und caballo) ist es lustig und nicht fies.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es für die Menschen sein muss, die nach Deutschland kommen, deutsch lernen müssen und dann nicht mal freundlich und herzlich aufgenommen werden, sondern stattdessen mit Kälte und Abfuhr behandelt werden.
An der Stelle unterscheiden sich die mexikanische und deutsche Kultur einfach sehr.