Halbzeit

Oh mein Gott wie konnte das denn so schnell passieren? Sechs von zwölf Monaten Mexiko sind vorbei und am liebsten würde ich laut STOP schreien und die Zeit anhalten. 

Ich muss zugeben, dass ich meinen Blog in den letzten Monaten etwas schleifen lassen habe, aber es ist einfach so viel spannendes passiert, von dem ich ja jetzt gesammelt berichten kann.

Gehen wir mal viele Wochen zurück in den Dezember. Genauer gesagt zu dem 11.12.: Wie bei den Katholiken üblich, hat jede Kirche einen Patronen, der an seinem Patronatsfesttag riesig gefeiert wird. Hier in Mexiko, wo die Statuen und Bilder dieser Patrone eine viel grössere Bedeutung haben, als ich es aus Deutschland kenne, versammelt sich zu diesen Patronatsfesten das ganze Dorf und auch umliegende Dörfer pilgern zu den Messen und der grossen Kirmis auf der neben reichlich Essen, Rodeo und Tanz nicht fehlen darf.

Neben dem Patron der eigenen Kirche feiert ganz Mexiko auch Maria de Guadalupe. Diese soll vor einigen Jahrhunderten auf einem Berg in der Nähe von Mexiko-Stadt aufgetaucht sein. Ich empfehle euch, im Internet mal nach der ganzen Geschichte zu suchen, denn sie hier niederzuschreiben würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen…

Auf jeden Fall pilgern in der Woche um den 12.12. (an dem Tag ist das eigentliche Patronatsfest der Maria de Guadalupe) Millionen Menschen zu der Basilika, die an dem Ort steht, wo Maria aufgetaucht sein soll. In der Nacht vorher (am 11.12.) findet jählich eine Präsentation verschiedenster Künstler statt, die vor dem heiligen Maria-Bild singen und tanzen.

Der Chor meines Mitfreiwilligen Tim, hat schon einmal im Jahr 2017 an dieser Veranstaltung teilgenommen und uns für das Jahr 2018 eingeladen, sie zu begleiten. Also sind Tim und ich zusammen mit 12 weiteren talentierten Musikern nach Mexiko gefahren. Anfangs wussten wir noch gar nicht, wie viele Menschen an diesen Tagen nach Mexiko pilgern, geschweige denn war uns bewusst, dass wir wirklich vor allen singen sollten.

Als uns dann schliesslich klipp und klar erklärt wurde, dass wir tatsächlich das heiligste Mariabild Mexikos ansingen sollte, während hinter uns tausende Pilger durch die Basilika gequetscht werden, ist zumindest mein Adrenalinpegel ziemlich hoch geschossen. Dazu kann man noch erwähnen, dass ich das zu singende Lied nur einmal kurz auf der Fahrt gehöhrt hatte und es das erste mal gesungen habe als mir tausende dabei zuschauten.

Zusammengefasst: Eine unfassbar krasse Erfahrung und eine riesen grosse Ehre!

Auf diese grossartige Erfahrung folgte ein nicht so ganz angenehmes Wochenende. Da vorallem in meiner Gegend viele Jugendliche kriminelle Wege einschlagen, werden in regelmässigen Abständen sogenannte Retiros de Jóvenes veranstaltet. Diese werden vom Jugendpastoral meiner Gemeinde organisiert und finden in der Anlage, in der ich wohne, statt. 

Das ganze steht meiner Ansicht nach sicherlich unter einem guten Ziel (und zwar zum Beispiel Jugendliche davon abzuhalten sich in Bandenkriegen zu beteiligen), hat mir aber trotzdem nicht gefallen. Es gab komische Regeln und Einheiten, die uns zum Teil verstört haben. Zum Beispiel wurden kleine Familien gegründet in denen man die ganze Zeit eine unauthentische Zuneignung spüren sollte. Zudem durfte man nicht alleine zu den Toilettenräumen und der Kontakt zu Nichtteilnehmern des Retiros wurde komplett verhindert. Viel genauer will ich auf dieser Plattform nicht auf Einzelheiten eingehen, aber zusammenfassend kann ich sagen, dass mir es sehr schwer viel mich auf die Methoden und Themen der Erzieher einzulassen. In Endeffekt bin ich glücklich so kritisch erzogen worden zu sein und mich von den Ansichten, die uns in dem Retiro vermittelt wurden, nicht beeinflussen lassen zu habe. 

Ich habe bei dem ganzen als Teilnehmerin teilgenommen und habe ganau das gleiche durchgemacht, was alle Jugendlichen durchmachen mussten. Es war untersagt, das Retiro frühzeitig zu verlassen aber das hätte ich auch gar nicht gewollt. Klar ich habe mich die ganze Zeit alles andere als wohl gefühlt und habe das ganze alles andere als gut gehiessen, aber es war eine unfassbar wichtige Erfahrung und ich wollte das umbedingt zuende bringen. Nach dem ganzen Retiro habe ich den Teamern erklärt, wie kritisch ich deren Umgang mit Jugendlichen sehe, musste aber auch eingestehen, dass ich es nicht besser weiss, wie man Jugendliche hier davor bewahrt, sich umbringen zu lassen (ich hoffe in einem weiteren Blogeintrag noch genauer auf die Probleme der Jugendlichen hier vor Ort eingehen zu können…). Besser ein bisschen verstört als tot oder?

Oh Mann, das war schon wirklich ein komischen Wochenende, aber zum Glück ging es danach wieder steil aufwärts. Über Weihnachten war ich zum Beispiel mit ein paar anderen Jugendlichen und einer Nonne in Palo Alto auf Missionen. Palo Alto ist ein Dorf, das gar nicht so weit weg von Tepetitlán ist, aber einen ganz anderen Lebensstandart hat. Die wenigen Leute, die dort wohnen, hausen in sehr einfachen Hütten und ernähren sich von ihrer eigenen Landwirtschaft. Wir sind von Haus zu Haus gelaufen, haben mit den Bewohnern gequatscht und ihnen Kleider und Haushaltsspenden mitgebracht. Auch die mexikanische vorweihnachtliche Tradition, genannt Posada, haben wir mit ihnen gefeiert. Besonders beeindruckt hat mich, wie glücklich und zufrieden die Bewohner Palo Altos waren, obwohl sie teilweise in grosser Armut wohnen.

Über Silvester haben Morre, Tim, Elisa, Caro und ich uns dann einen Trip nach Puebla gegönnt. Dort haben wir die schöne Kolonialstadt erkundet und noch viel wichtiger unsere Freundin Ruth, die wir in der Sprachschule in Oaxaca kennengelernt haben, besucht.

Der Januar ging ganauso aufregend weiter wie der Dezember aufgehört hat. Denn nachdem wir das traditionelle Fest der heiligen drei Könige kennenlernen durften, bekamen wir Besuch von insgesamt rund 80 jungen Menschen aus dem Bistum Münster. Diese waren zu den Tagen der Begegnung, die wie immer vor dem Weltjugendtag stattfinden, in Münsters Partnerbistum Tula: Also hier bei uns. Auf uns Freiwillige wurden die meisten dieser jungen Erwachsenen aufgeteilt und wir haben zusammen mit unseren Gemeinden ein Programm für unsere Besucher organisiert. Dadurch, dass wir die gesamte Woche Übersetzer spielen durften, war das ganze zwar echt anstrengend, aber trotzdem eine total schöne Woche. Wir waren zum Beispiel schwimmen, haben eine Bootstour gemacht und die Pyramiden von Tula besichtigt. Zudem wollten wir unseren Besuchern einen Einblick in die Realität Mexikos gewähren und haben mit ihnen Krankenhäuser, das Gefängnis und das Migrantenhaus besucht. Ein total bunt gemischtes Programm, das sowohl bei unseren Gästen, als auch bei uns Tepetitlanern gut angekommen ist.

Immer wenn wir uns morgens getroffen haben und die Jugendlichen begeistert von ihren Erfahrungen berichtet haben, habe ich mich wie in meine ersten Tage hier in Mexiko zurückgesetzt gefühlt, als alles noch viel aufregender und viel neuer war.

 

Danach ging es für die 80 weiter nach Panama zum Weltjugendtag und wir… wir sind auch mitgekommen! Zwar haben wir alles unabhängig von der Gruppe aus Münster geplant und organisiert, trotzdem sind wir uns das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen und haben die ein oder andere Veranstaltung zusammen besucht. In Panama haben wir uns auch mit unseren Mitfreiwilligen Lea und Lars, die ihren Freiwilligendienst in der Dominikanischen Republik machen, getroffen. Da wir uns ja nun ein halbes Jahr nicht gesehen hatten, gab es viel zu erzählen und zusammen haben wir ein paar wirklich schöne Tage in Panama verbracht.

Nach dem Abenteuer in Panama hörte das Rumreisen allerdings nicht auf, denn wie von Weltwärts vorgeschrieben muss jeder Freiwillige innerhalb seines Auslandsjahres an einem Zwischenseminar teilnehmen. Das ganze fand dieses Jahr Anfang Februar in Veracruz statt, wo unsere Mentorin Vanessa wohnt. An dem Seminar haben insgesamt 20 Freiwillige aus ganz Deutschland und Österreich teilgenommen und mit uns ihre letzten sechs Monate reflektiert. Insegesamt war das Seminar zwar total anstrengend und intensiv aber auch total hilfreich und spassig!

Doch jetzt bin ich endlich wieder in Tepetitlán und kann meinen Arbeiten nachgehen. In zwei Wochen bekomme ich schon Besuch von meiner Familie, worauf ich mich schon riesig freue! Ich kann es kaum erwarten ihnen alles zu zeigen und sie hoffentlich mit meiner Begeisterung für Mexiko und vor allem für Tepetitlán anzustecken!

¡Hasta luego!

Tere 

Jetzt kanns losgehen

Zurück in Tepetitlán

Ich: Hey Caro, ich glaube wir besuchen dich Montag.

Caro: Hallo, ja ich glaube mein Gastvater hat etwas Ähnliches gesagt.

Ich: Oder wir fahren ins Gefängnis… Bin nicht sicher ob ich es richtig verstanden habe…

Am Montag

Ich: OK, ich hab´s wohl falsch verstanden… Wir fahren nach Tula ins Zentrum

 

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Oaxaca

Sprachschule und noch viel mehr

Vier Wochen Sprachschule in dem wunderschönen Oaxaca sind nun vorbei. Rückblickend haben wir so viel erlebt, dass ich am besten Fotos davon erzählen lasse. Und obwohl jeder Tag irgendwie einzigartig war, werde ich nun versuchen euch einen Einblick in unseren oaxacanischen Alltag zu ermöglichen:

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6 Tage, 19 Stunden und 40 Minuten

¡Buenos tardes a todos!

Das ist jetzt der dritte Anlauf, in dem ich versuche meine erste Woche in Mexiko zu beschreiben. Ich war in den letzten Tagen an so vielen verschiedenen Orten, habe so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und so viele kuriose Situationen erlebt, dass ich nur einen Bruchteil davon erzählen kann.

Mittlerweile bin ich seit 6 Tagen, 19 Stunden und 40 Minuten in diesem faszinierenden und vielseitigen Land. Die ersten vier Tage war ich mit meiner Vorfreiwilligen Anna und meiner Mitfreiwilligen Elisa unterwegs.

Nachdem wir mit mexikanischen Schlachtrufen und Lieder am Flughafen in Mexiko City feierlich begrüßt wurden, sind wir zu meiner Projektstelle nach Tepetitlán gefahren.

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